über die welt und den lauf der dinge

oder: zwei ungleiche philosophen unter sich

„komm, setz dich mal neben mich“, hast du zu mir gesagt. „ich erkläre dir jetzt mal die welt. bist du bereit? die welt ist schlecht, wusstest du das schon? gib dir mal einen ruck und versuch das zu verstehen, wenn du kannst. verstehste nicht, oder? na komm, ich helfe dir auf die sprünge. mach mal die augen zu! alles was du jetzt siehst, gehört dir. das ist nicht viel, nicht wahr? das ist gar nichts. und? was sagst du jetzt? ernüchternd, oder? aber das ist der lauf der dinge. was du haben willst, das kriegst du nie. und was du kriegen kannst, das gefällt dir nie. so sieht’s aus. mach nicht so ein trauriges gesicht. damit musst du dich zufrieden geben. denk mal drüber nach.“

und dann habe ich drüber nachgedacht. „und der zerschnittene wurm vergibt dem pflug?“, habe ich dich gefragt, als ich mit denken fertig war.

„mag sein“, meintest du. “aber das ändert nichts an der welt und dem lauf der dinge. denn es ist ja das große glück, den wurm dann zu spüren, wenn er noch vernichtet werden kann.“

„versteh’ ich nicht“, sagte ich.

und du: „natürlich nicht, du bist ja auch naiv. ich habe es ja bereits versucht, dir zu erklären: die welt ist schlecht. begreif das mal!“

„doch, doch, das habe ich mir gemerkt. das mit der welt“, versuchte ich mich aus der affaire zu ziehen.

„na, das ist doch schon mal was! aber du scheinst eines noch immer nicht kapiert zu haben: das glück besteht nicht darin, dass du tun kannst, was du willst, sondern darin, dass du immer willst, was du tust.“

„ach was, das glück ist mit müdigkeit und muskelkater billig erkauft. fertig aus. so einfach ist das“, rutschte es mir heraus.

„na bitte, so langsam verstehst du, was ich meine“, hast du dich gefreut.

„ehrlich?“, freute ich mich zurück. „und auf dauer himmel ist die hölle? ist das richtig?“

„ja, genau!“

aber dann musste ich doch noch mal nachfragen: „und wieso ist dann gleich die ganze welt schlecht?“

„das leben ist eine illusion, hervorgerufen durch alkoholmangel. wobei das leben mit der welt gleichzusetzen ist, versteht sich“, hast du mir erklärt.

„na gut, aber das leben und eine katze gibt eine unglaubliche summe! wie stehst du denn dazu?“, forderte ich dich heraus.

„ach, nee, das ist mir zu billig! ganz ehrlich!“

„wenn du meinst“, gab ich klein bei.

„so, ich verrate dir jetzt mal eins“, hast du gesagt und mich dabei ganz ernst angeschaut. „die welt ist wahrscheinlich aus angst vor der leere entstanden. denk mal drüber nach!“

„ja, und der weg zur hölle ist mit guten vorsätzen gepflastert, stimmt’s?“, hab’ ich noch gelacht, aber da warst du bereits gegangen.

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